Claudia Gersdorf und Chemnitz Kulturhauptstadt 2025

Viva de Social Investition!

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Jeder kennt‘s: „Spenden Sie jetzt für Menschen in Armut und Not“, „Jeder Euro zählt“. Das mag zwar helfen, aber ist das wirklich langfristig angelegt? Die „Vereinsmeierei“ und Spenderei ist vom Aussterben bedroht – und das ist vielleicht auch gar nicht so verkehrt.
Menschenrechte, Entwicklung, Zusammenarbeit – Vorgehens- und Denkweisen, die neu strukturiert werden müssen. Wir brauchen eine neue Form der internationalen Zusammenarbeit, um alte und vor allem überholte Strukturen aufheben zu können. Weg von der reichen Geberkultur aus West-Europa, Amerika, Asien, weg von dem klassischen Spendenverhalten. Klar ist, dass Wille und Motivation dahinter bestehen bleiben müssen, jedoch nicht unbedingt ausschließlich in Form von Spenden, sondern auch in Form von Investitionen.

Wann machen Spenden wirklich Sinn?

Nicht falsch verstehen, Spenden sind gut und helfen, aber lassen Sie uns ganz klar differenzieren – Nothilfe vs. Entwicklungszusammenarbeit.
Bei Nothilfe (Ärzte ohne Grenzen, Internationales Rote Kreuz) helfen Spenden enorm. Im Falle von Entwicklungszusammenarbeit, bei langfristigen, nachhaltig angelegten Projekten, die Perspektiven schaffen, bewirken Investitionen meiner Meinung nach mehr als Spenden.
Der Grund ist ein ganz einfacher: Bietet man uns Menschen eine Investition, bedeutet das Empowerment. Wir als Investor:innen glauben nicht nur an ihre Kompetenzen, die Talente und Ideen, sondern schenken ihnen auch Vertrauen – essentielle Grundlage für Weiterentwicklung, Potentialentfaltung, Erfolg. Wenn wir das bestehende System der „Vereinsmeierei“ in Deutschland in ein System von Social Investment und Perspektiven transformieren, können wir die Geber-/Nehmerkultur abschwächen oder gar aufheben und Ansätze wie „Social Entrepeneurs for Change“ selbst kreieren.

Investitionen zur Existenzgründung

Was ist der Vorteil der Spendentransformation hinzu einer Investition? Auf der einen Seite hat man die Investor:innen, die sich weiterentwickeln, weil sie Ihr Geld bewusst investieren, ohne im ersten Moment eine Gegenleistung zu erwarten. Es wird nicht nur an das jeweilige Geschäftsmodell geglaubt, auch Menschenrechte, Bildung, Frauenrechte und wirtschaftliche Unabhängigkeit werden gefördert.
Und was passiert mit den Menschen, die diese Investitionen bekommen und keine Spende im klassischen Sinne? Dieser „Wechsel“ kann ganz einfach anhand eines Mikro-Kredits erklärt werden: Kopf und Begründer des Mikrofinanz-Gedankens ist Muhammed Yunus. Das System wurde von ihm ins Leben gerufen, um Menschen zu befähigen, Möglichkeiten zu erschaffen und Gelegenheiten zu nutzen. Genauso verhält es sich auch beim Erhalt einer Investition. Die Menschen übernehmen viel schneller Eigenverantwortung, sind gestärkter und selbstbewusster aufgestellt.

Was muss getan werden um von der Spendenmentalität wegzukommen?

Weg von dem überholten, tradierten Konzept der „Hilfe zur Selbsthilfe“ und hin zu „Empowerment by social Investment“. Wir können es uns nicht aussuchen, wo wir geboren werden. Wir können uns unsere Hautfarbe nicht aussuchen geschweigenden denn ob wir gesund auf die Welt kommen oder nicht. Es darf keine Rolle mehr spielen, unter welchen Umständen man geboren wird.
Wir müssen ein System des Ausgleichs schaffen – ein System, das sicher stellt, dass jede:r das bekommt, was ihr und ihm von Natur aus zusteht.

Die Reproduktion unseres Systems Spendenmentalität wegzukommen?

Wir als Gesellschaft sind an einem Punkt angelangt, wo es nicht mehr reicht, einfach nur zu spenden. Unser System muss sich immer wieder selbst reproduzieren können, damit Menschen für sich selbst sorgen können. Genau dafür brauchen wir Investitionen. Für Den nötigen großen Wandel, starke Fortbewegung und Weiterentwicklung in den Bereichen der SDGs und Menschenrechte bedarf es nötigen Treibstoff. Ohne Investitionen werden wir zum Stillstand kommen, was zu großen Problemen führt, z.B. Probleme der Abhängigkeiten in Form des Spendenaufhängers. Abhängigkeit wachsen weiter an, das liegt in der Natur der Sachen, und Menschen werden ggf. immer inaktiver.
Alle Zeichen müssen auf Grün gesetzt werden – für ganzheitliche Investitionen!
Ich bin überzeugt, dass wir das System neu gestalten können! Wir haben einen Punkt erreicht, an dem dieses Umdenken schon einen Anfang gefunden hat. Der Anfang eines nachhaltigeren, langfristigeren, positiven Wandels und Veränderung für den Menschen!
Claudia Gersdorf

Claudia Gersdorf

CEO PolaR BEAR

Paw Print PolaR BEAR