Claudia Gersdorf und Chemnitz Kulturhauptstadt 2025

Afrika – „der westliche Cocktail aus Vorurteilen“

von

„Armut, Korruption, Gewalt, HIV“

Afrika ist kein unschuldiger Begriff. Er ist ein Produkt der europäischen Kultur, die kaum Entsprechung in der Wirklichkeit hat. Oder wie der Wissenschaftler Edward Said sagte:
„der westliche Cocktail aus Vorurteilen und Rassismus“.
Wer mich kennt der weiß, ein Einfaches „Nein“ nehme ich nicht einfach so hin. Ich finde immer Wege und Lösungen, um meine Träume zu verwirklichen. Genauso war es mit meiner ersten Reise nach Ostafrika. Die entwicklungspolitische NGO, für die ich in den Anfängen meiner Berufslaufbahn gearbeitet habe, sagte mir, ich sei noch nicht so weit, um mich auf Projektreise zu schicken – das übernehmen besser die erfahrenen Führungspersönlichkeiten. War ich enttäuscht? Klar. Habe ich meine Mission dennoch verwirklicht? Absolut! Ich bin durch den Kontinent aus freien Stücken gereist – Ghana, Burkina Faso, Togo, Benin. Länder mit wunderschönen Landschaften, vielen Geschichten aber vor allem respektvollen Menschen. Trotz meiner Körperbehinderung habe ich mich angenommen gefühlt, das Thema hat überhaupt keine Rolle gespielt. Ich war einfach nur die freudvolle Europäerin, die an den Vorgängen vor Ort interessiert war.

Chancenkontinent Afrika

Afrika. Ein Kontinent im Zwiespalt. Die Menschen stehen hier oftmals „zwischen Hilfe und Hilflosigkeit“, und haben auf der anderen Seite eine riesige Startup Kultur in Industrien wie IT, Handel, Mode und Sport. Das erlebte ich zum Beispiel in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Und dann ist da noch Äthiopien mit einer der höchsten Millionärsdichten. Die Leute jammern dort nicht, nein. Sie setzen Ihre Ideen um und verwirklichen diese, mit positiver Lebenseinstellung, zielgerichteten Vorgehensweise und einem Lächeln im Gesicht. Das Problem? Vielen Wirtschaftszweigen des Kontinents ist es nicht möglich zu exportieren und Geschäfte mit anderen Ländern zu betreiben. Hier wirken immer noch bestimmte Restriktionen – ein absolutes NO GO!
Anstatt es den „afrikanischen Ländern und Unternehmer: innen“ schwer zu machen, sollten wir, genauso wie wir es in Deutschland tun, in Strukturen investieren, um die Wirtschaft, Industrien und Kulturen zum Florieren zu bringen. Wir müssen weg von dem typischen „Afrika braucht Spenden“-Mindset, weg von der Geber-, Nehmerkultur und hin zu Investitionen in Perspektiven. Investitionen in Perspektiven. Und wir müssen mal chillen, was unsere Allmacht-Phantasien und Krösus-Attitüden betrifft – kommt mal klar und runter vom hohen Roß!
Meine Vision? Es soll eine Selbstverständlichkeit werden, politische und wirtschaftliche Entscheidungen möglich zu machen wie auch die Entwicklung und Weiterentwicklung für ALLE Nationen dieser Welt, unabhängig des Landes oder Kontinents.
Seien wir mal ehrlich, wenn hier in Deutschland ein Bundesland aufbereitet wird, spricht man doch auch nicht von Spenden. Man spricht von Investitionen, um Lebenssituationen und Strukturen zu verbessern. Warum das nicht auch so mit Ländern im globalen Süden machen?
Leben, Kulturen, Wahrnehmungen basieren und entstanden alle anhand überlappender Geschichten.
Das Problem an einer einzige Geschichten: zu 99,99% Missverständnisse, Stereotype, falsche Wahrnehmunge. Anstatt eine Geschichte zu nutzen um Gleichheiten zu erkennen zwischen Kulturen, Sprachen, Lebensweisen, Menschen betont es eher die Unterschiede. Geschichten sind wichtig. Geschichten wurden und werden benutzt, um zu enteignen und zu verleumden. Aber Geschichten können auch genutzt werden, um zu befähigen und zu humanisieren. Geschichten können die Würde eines Volkes brechen. Aber Geschichten können diese gebrochene Würde auch wiederherstellen.

Umdenken. Investieren. Potenzieren.

Weg von der ignoranten Denkweise, dass der Westen die Expert:innen für alles hat. Keiner sollte in sogenannte Entwicklungs- und Schwellenländer reisen, um den Leuten vor Ort zu zeigen wie Geld umgesetzt oder Investitionen eingesetzt werden sollen. Die Kontinente und ihre verschiedenen Länder haben ihre eigenen Expert:innen vor Ort und das sollte auch die Grundlage der Zusammenarbeit darstellen – gemeinsam entscheiden, gestalten, investieren mit den Fachkräften und Start-ups VOR ORT.
Wenn mir meine Erfahrung im Entwicklungsbereich eines gelehrt hat, dann folgendes: Menschen sind darauf ausgelegt auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren, zu kooperieren. Gemeinsame Verbindungslinien können immer auf ein Level gebracht werden. Talente und Kompetenzen jedes einzelnen können angewandt und eingebracht werden, so dass jeder ein aktiver Teil des Vorhabens ist. Allein so erhöhen wir Wirksamkeit, Erfolg und gestalten positiven Wandel weltweit ebenso wie lokal.
Mit Viva con Agua bringen wir zum Beispiel seit Jahren Musiker: innen und Künstler: innen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten zusammen. Das Ergebnis? Erfolgreiche Produktionen, Musikalben, Filme sowie großartige Transformation der Herausforderungen im jeweiligen Land.
Claudia Gersdorf

Claudia Gersdorf

CEO PolaR BEAR

Paw Print PolaR BEAR